Das Schützenwesen – Entwicklung über Jahrhunderte, erhalten bis heute
Das Schützenwesen ist eine der wenigen kultur- und sozialgeschichtlichen Erscheinungen, die sich über viele Jahrhunderte hinweg kontinuierlich entwickelt und bis heute erhalten haben. Es ist ein wichtiger, historisch gewachsener und lebendiger Teil der regionalen bzw. lokalen Identität. Das Schützenwesen umfasst eine große Anzahl von Bräuchen und Traditionen, die in ganz Deutschland in zahlreichen unterschiedlichen Erscheinungsformen verbreitet sind. Es handelt sich um ein bürgerliches Brauchtum, das im Rahmen einer Vereinszugehörigkeit von Menschen jeden Alters und Geschlechts ausgeübt wird.
Am 4. Dezember 2015 nahmen die Deutsche UNESCO-Kommission und die Kultusministerkonferenz das „Schützenwesen in Deutschland“ in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. In ihrer Begründung würdigen das zuständige Expertenkomitee und die Kultusministerkonferenz das Schützenwesen
als Ausdruck lokal aktiver Kulturpraxis mit lebendiger Traditionspflege, die stark in örtliche Sozial- und Kulturmilieus eingebunden ist. Es gibt vielfältige Maßnahmen zu Weitergabe, unterschiedliche Formen der Jugendarbeit und eine aktive Pflege regionaler und europäischer Verbindungen. Auch die Verpflichtung gegenüber sozialem Engagement und ziviler Kultur im Umgang mit Waffentechnik und Waffengebrauch sowie der integrative Charakter wurden hervorgehoben.

Die Auricher Königskette
Ein wertvolles und schönes Stück altostfriesischer Silberarbeit stellt der an der Königskette des ASV befindliche Silbenıogel dar. Kopf, Flügel, Halsband und Schwanzfedern sind vergoldet. Der Vogel trägt eine Plakette im Schnabel, die auf der einen Seite das Auricher Wappen, und auf der anderen Seite die Jahreszahl 1616 mit dem Zusatz: Renovatum d. 24.Januar 1825, C.B. Conring zeigt. C.B.Conring war von 1816 bis 1840 Bürgermeister in Aurich. Er starb am 24. März 1844.
Dokumentiertes Gründungsjahr
Für den Auricher Schützenverein ist dieser Silbervogel mit der Plakette im Schnabel ein historisches Zeugnis von entscheidender Bedeutung. Sie verweist auf das Gründungsjahr des Vereins – zumindest eines, welches dokumentiert ist. Das eigentliche Gründungsjahr dürfte erheblich früher liegen, lässt sich aktenmäßig jedoch nicht aufklären, weil ältere Dokumente im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.
Die Auricher Schützenkönige trage bei offiziellen Anlässen als Zeichen ihrer Würde und der mittelalterlichen Tradition folgend diesen Papagei mit vergoldetem Kopf, Flügeln und Schwanzfedern. Dies geht auf den Ursprung der Schützen zurück, als sie noch als Bürgerwehr die Stadt mit ihren Toren und Wällen sicherten, um sie bei Angriffen von außen verteidigen zu können.
Schützenkönig steuerfrei
Als Ausgleich für die mit der Bewachung der Stadt verbundenen Aufgaben feierte man einmal im Jahr ein großes Schützenfest. Dabei wurde auf einen hölzernen Vogel geschossen, der auf einer Stange befestigt war. Als Höhepunkt der Festlichkeiten erhielt der beste Schütze das sogenannte Königssilber, an dem ein silberner „Vergel“ (Papagei) befestigt war. Außerdem wurden dem besten Schützen für ein Jahr die Steuern erlassen.
Bis 1924 wurde diese sehr wertvolle ostfriesische Goldschmiedearbeit im Stadtarchiv Aurich aufbewahrt. Zum Schützenfest des Jahres wurde sie an den Auricher Schützenverein übergeben. Leider fehlt dem Vogel eine sogenannte “Meisterpunze”.
Dabei handelt es sich um ein spezielles Zeichen, welches ein Goldschmied als seine persönliche Markierung verwendet, um seine Werke zu signieren und zu kennzeichnen. Somit bleibt genaue Herkunft und auch der Name des Künstlers im dunkel der Geschichte.
Eine wertvolle Silberarbeit
1890 hatte der Auricher Bürgermeister Georg Friedrich Schwiening angeregt, den Auricher Schützenvogel zur näheren dem Kölner Fachmann Arthur Papst zur Begutachtung vorzulegen. Papst kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei diesem Schützenvogel um ein Werkstück handele, welches den Hochstand der Gold- und Silberschmiedezunft dieser Zeit dokumentiere. Ringe und Beschläge zeugten auch von der guten Leistungsfähigkeiten der ostfriesischen und Auricher Goldschmiede.

Berichte aus dem ASV
- Aurichs neues Königshaus – mit Ambitionen für die ZukunftDie Auricher Schützen haben ein neues Königshaus. Den wertvollen silbernen Vogel von 1616, der die Auricher Königskette schmückt, wurde am vergangenen Freitag Siegfried Janssen verliehen.
- ASV-Fahnenweihe: Neue Fahne nach 99 JahrenEs war mehr als eine alltägliche Angelegenheit. Die Fahnenweihe im Auricher Schützenverein von 1616 (ASV). Eine Fahnenweihe im eigenen Verein bleibt vielen Mitgliedern ihr Leben lang vorenthalten. Mit diesen Worten begann der 1. Vorsitzende des ASV Stefan Dunkmann seine Ansprache.
- 2016: ASV feiert 400 Jahre Auricher SchützenDer Auricher Schützenverein feiert 2016 sein 400-jähriges Jubiläum mit großen Feierlichkeiten, die Tradition, Vereinsgeschichte und Gemeinschaft in Aurich würdigen
Auricher Schützenkönige seit 1911


